RGU Persönlich | 07.10.2016

Anmerkung: Der Bericht wurde bereits vor dem schweren Unfall von Herrn Guttenberger von ihm persönlich verfasst. Herr Guttenberger hat sich bewusst, gerade in dieser für ihn schweren Zeit, für die Veröffentlichung des Artikels entschieden.

Ein ganz persönlicher Bericht über mein erstes Gletschertraining.

„Herr Guttenberger, wenn Sie sich umbringen wollen, dann ist das Ihre Entscheidung. Wir möchten da aber nicht dabei sein.“ So lautete der original O-Ton eines Expeditionsleiters auf meine Frage, ob ich an der geplanten Besteigung eines Siebentausenders im Pamir-Gebirge teilnehmen darf. Ich hatte zwar bereits den Kilimandscharo mit 5.895 m bestiegen, jedoch noch keine Erfahrungen bei langen Aufstiegen in Eis und Schnee sammeln können.

So erhielt ich von dem Expeditionsleiter die Empfehlung, erst einmal ein umfangreiches Fels- und Gletschertraining durchzuführen, um die Grundfertigkeiten am Berg wie Laufen mit Steigeisen, Rettung aus Gletscherspalten, Arbeit in einer Seilschaft, Sicherungstechniken und vieles Mehr zu erlernen. Das alles klang für mich so spannend und faszinierend, dass ich schließlich im August dieses Jahres mein erstes Gletschertraining antrat.

Bergsteiger im Neuschnee

Sommerurlaub auf 3.000 m Höhe mit 25 cm Neuschnee im August.

Während sich die meisten Menschen in der Urlaubshochsaison bei 30 Grad die Sonne am Pool oder Meer auf den Bauch scheinen ließen, trat ich meine Reise in den Winter an. Bei der Besteigung der Wildspitze (3.768 m) erwarteten mich -8 Grad und 25 cm Neuschnee – und das mitten im August.

Wenn Sie sich fragen „Wo bleibt da bitte der Spaß?“ werden Sie jetzt überrascht sein:
Nicht der Weg zum Ziel macht Spaß, sondern das Erreichen des Zieles!
Keinem Bergsteiger, der den Achttausender besteigt, macht die jahrelange Vorbereitung, machen die Stunden in der Todeszone Spaß.
Keinem Leistungssportler macht das tägliche, harte Training Spaß.
Keinem Wissenschaftler machen die hunderte Fehlversuche Spaß, die er durchführt, bis er eine neue Entdeckung macht.
Keinem Verkäufer machen die vielen Absagen Spaß, die er hört, bevor er wieder einmal einen Auftrag erhält.

Alle genannten Beispiele wissen, wofür sie kämpfen. Wofür sie sich monatelang quälen: für den Erfolg.
Ohne Erfolge kann kein Mensch gesund existieren. Mit dem Erfolg kommen der Spaß und die positiven Emotionen.

Alles im Leben hat seinen Preis. Der Preis für den Erfolg und den Ruhm des Unternehmers  ist oft lange,  entbehrungsreiche, fleißige Arbeit. Der Preis für ein ruhiges Leben in der Komfortzone ist Eintönigkeit und Fremdbestimmung. Der Preis für ein abenteuerreiches Leben sind häufige Unsicherheit und schlaflose Nächte. Der Preis für überdurchschnittliches Einkommen ist mehr Engagement, weniger Freizeit und höheres Verlustrisiko. Dabei möchte ich nicht in Abrede stellen, dass es auch die Glücksfälle gibt, in denen Menschen das eine bekommen ohne das andere zu bezahlen. Das sind jedoch Einzelfälle. Die Regel des Lebens für über 90% der Menschen ist das Bezahlen des Preises, das ausgewogene Verhältnis von Geben und Nehmen.

Panorama

Blick vom Gipfel der Wildspitze. Mit 3.768 Metern Höhe der höchste Berg Nordtirols und der Ötztaler Alpen. Sie ist nach dem Großglockner (3798 m) der zweithöchste Berg Österreichs.

Der Bergsteiger muss bereit sein, für die 20 Minuten Hochgefühl auf dem Gipfel des Berges, Lehrgeld in Form von hartem Training und eingeschränkter Freizeit zu zahlen.
Der Wissenschaftler muss bereit sein, für die eine Erfindung, die ihm Ruhm und Ansehen bringt, eintönige Forschungsarbeit und unzählige Fehlversuche zu überstehen.

Dabei gilt das Gesetz: je größer das Ziel, desto größer am Ende das Ansehen, das Vermögen, der Ruhm. Aber auch desto höher ist der Preis, den Sie dafür zu zahlen haben, desto größer ist das Durchhaltevermögen, welches von Ihnen gefordert wird.

Der Preis ist somit gleich zu setzen mit dem Durchhaltevermögen. Es braucht nicht nur Ihre bloße Bereitschaft, den Preis zu zahlen, es braucht vor allem Ihr Durchhaltevermögen, den Weg zum Ziel zu Ende zu gehen. Es braucht Ihr Durchhaltevermögen, bei Rückschlägen und in Sackgassen, den richtigen Weg wieder zu finden und ihn bis zum Ende zu beschreiten.

Dieses Durchhaltevermögen muss wie alles andere im Leben trainiert werden. Bei erfolgreichen Menschen wird so das Durchhaltevermögen zur Gewohnheit.

Wie kann man die Zielerreichung trainieren und das Durchhaltevermögen zur Gewohnheit machen?

Ganz einfach: Setzen Sie sich immer wieder Ziele, bei denen es viel Durchhaltevermögen bedarf!
Beim Bergsteigen gibt es nun besonders klare Ziele. Ich kann mir kein augenscheinlicheres Ziel vorstellen, als den höchsten Punkt eines Berges. Und ich habe am eigenen Leib erlebt, wieviel Durchhaltevermögen es benötigt, am Rande der physischen und psychischen Leistungsgrenze unter Sauerstoffmangel und körperlichen Schmerzen am Ziel festzuhalten. Deshalb sind Bergsteiger aus meiner Sicht auch ganz besonders zielorientierte Leute mit überdurchschnittlichem Durchhaltevermögen. Das sind oft sogar ihre Haupteigenschaften.

Auch für Sie als Führungsperson oder als Verkäufer muss Durchhalten zur Gewohnheit werden! Leider kommt der Erfolg nicht linear mit der Erhöhung der Anstrengungen. Am Anfang Ihrer beruflichen Entwicklung werden Sie schneller geneigt sein, bei Anstrengungen nachzugeben, aufzugeben, etwas anderes zu machen, was augenscheinlich einfacher ist. Trainieren Sie durchzuhalten! Dazu bietet Ihnen das Leben unzählige kleine und größere Möglichkeiten. Beginnen Sie mit den kleinen, bis Ihnen die Großen keine Schwierigkeit mehr bereiten.

Als Kind lernen Sie das Puzzle zu Ende zu legen, vom Anfang des Schuljahres bis zum Ende konzentriert zu arbeiten, um in Mathe die bessere Note zu bekommen. Später sind es dann die Lehre oder das Studium, welches Sie zu Ende führen. Es kann das Ziel sein Abzunehmen. Das kann damit verbunden sein, nach einem bestimmten Ernährungsplan zu leben. Oder Sie wollen fitter werden und nicht mehr auf der Treppe ins dritte Stockwerk eine Pause machen müssen. Dafür müssen Sie sich das Ziel stecken zweimal die Woche eine halbe Stunde lang Ihre Ausdauer zu trainieren – und beim Erreichen dieses Zieles durchhalten! Sie trotzen Wind und Wetter, Hitze oder Kälte oder sogar einer Erkältung. Kaum etwas sollte Sie davon abhalten, Ihren täglichen Trainingsplan abzuarbeiten!

Als Verkäufer erleben Sie Absagen von Interessenten. Sie gehen trotzdem jeden Tag wieder hinaus und akquirieren Kunden, denn Sie haben gelernt, dass nach einer Serie von Absagen auch wieder eine Serie von Aufträgen kommt. Sie müssen eben nur Durchhalten. Verkäuferischer Erfolg hat viel mit Fleiß und dem Gesetz der großen Zahlen zu tun. Ein Verkaufstrainer hat mir mal gesagt: „Wo Talent fehlt, siegt oft die Hartnäckigkeit.“

Ihr Ralph Guttenberger

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